Ins effiziente Licht rücken LED strahlen effizienter und farbiger als herkömmliche Lampen. Sie haben ihren Platz an prominenten Objekten wie dem Eiffelturm oder der Zürcher Weihnachtsbeleuchtung erobert. Auch Strassen sollen nun von dieser Technologie profitieren: Die EKZ testen in Rüschlikon LED-Strassenleuchten und Landquart plant, ganz auf LED umzurüsten. Ob Weihnachten, Ostern oder Valentinstag – ab Frühling 2010 soll das erste „Drive-in“-Einkaufszentrum Europas abends in verschiedenen Farben erstrahlen und damit potenzielle Käufer anlocken. Auch das Schweizer Kleingewerbe am Stadtrand leidet unter der Abwanderung von Kunden – bevorzugt werden für den Einkaufsbummel grosse Shoppingcenter oder die Innenstadt. Mit einer neuartigen Beleuchtung sollen deshalb in Karlsruhe die Kleingeschäfte von der Bäckerei über den Blumenhändler bis hin zum Tante-Emma-Laden wieder ins Licht gerückt werden. Gemäss Christian Vogt vom Lichtgestaltungsbüro Vogt&Partner in Winterthur wirkt die etwa eineinhalb Kilometer lange Ladenstrasse durch ihre geplante dachähnliche Beleuchtung ähnlich einem Einkaufszentrum und soll so zum Anhalten animieren. „In der Perspektive verdichten sich optisch die alle 15 Meter über der Strasse aufgehängten Platten und werden von Autofahrern und Passanten wie ein Hallendach wahrgenommen.“ Abends sollen sie normalerweise in orangem Licht, an besonderen Verkaufstagen in speziellen Farbkombinationen erstrahlen. Vor dem Valentinstag beispielsweise wechseln sich ver-schiedenste Rosa- und Rottöne ab, bis sie sich am Feiertag selbst in Knallrot wandeln. Möglich machen diese wechselnde Farbenvielfalt sogenannte Leuchtdioden, besser bekannt unter dem englischen Kürzel LED (Light Emitting Diode).
Von der Effekt- zur Strassenbeleuchtung
Aber nicht nur die Ladenstrasse in Karlsruhe leuchtet dank LEDs, sondern auch der Eiffelturm, die Weihnachtsbeleuchtung an der Zürcher Bahnhofstrasse oder die Storchenbrücke in Winterthur. Für bunte Lichteffekte in Gebäuden oder auf öffentlichen Plätzen haben sich LEDs bereits durchgesetzt. Ihr Vorteil: Sie können ihre Farbe fast beliebig verändern, leuch-ten sehr effizient und verfügen über eine hohe Lebensdauer. Deshalb sind sie zum Beispiel oft in Lichtsignalen anzutreffen. Für die Strassenbeleuchtung rechnen sie sich jedoch noch nicht. Hier sind Natriumhochdrucklampen zurzeit Stand der Technik. Würden sie die veralteten Quecksilberdampflampen ersetzen, die noch in vielen Schweizer Städten strahlen, würde sich der Energieverbrauch der Leuchten auf ein Drittel reduzieren, ohne dass die Strassen dunkler wären. Dies zeigten Messungen der Technischen Universität Darmstadt auf einer Teststrasse. Professor Tran Quoc Khanh ersetzte dazu bestehende Quecksilberdampf- mit Natriumhochdrucklampen und mass Lichtausbeute sowie Stromverbrauch. Ein Teil der Strecke wurde auch mit LED-Strassenlampen ausgestattet. Diese sollen gemäss Herstellern eines Tages die Natriumhochdrucklampen bezüglich Effizienz überholen.
Heisse Problemstellung
Da das Licht der LEDs gut fokussiert werden kann, verfügen sie laut Experten über mehr Potenzial als konventionelle Lampen. Natriumhochdrucklampen zum Beispiel streuen das Licht relativ breit. Trotz Reflektoren verpuffen dabei 40 bis 50 Prozent des Lichts, bei LEDs hingegen nur 15 bis 20. Der derzeitige Effizienznachteil von LEDs gegenüber Natriumhochdrucklampen liegt daran, dass sich im LED-Chip noch rund 30 Prozent der Energie in Wärme wandelt. Das Licht wird zwischen zwei Schichten auf einem Halbleiter erzeugt. Dabei strahlt das Licht zur Seite ab statt nach vorne und heizt dabei den Chip auf. Die Verlustwärme verschlechtert nicht nur die Effizienz, sondern lässt auch die LEDs vorzeitig altern. Gerade die hohe Lebensdauer von bis zu 60 000 Stunden ist ein wichtiges Verkaufsargument. Zum Vergleich: Natriumhochdrucklampen leuchten nur etwa 16 000 Stunden.
Strassentauglich?
Obwohl der Preis noch zu hoch ist, um LEDs in Strassenlampen breitflächig einzusetzen, gibt es bereits Pilotprojekte in der Schweiz. In der Gemeinde Rüschlikon testen die Elektrizitätswerke des Kantons Zürich EKZ seit Mitte 2009 eine Strassenbeleuchtung mit LEDs. Zudem hat sich die Gemeinde Landquart entschieden, die gesamte Strassenbeleuchtung in den nächsten vier bis fünf Jahren auf die neue Technologie umzurüsten. Trotz grosser Euphorie wird es gerade bei aktuellen Projekten mit Leuchtdioden noch einige Schwierigkeiten geben, vermutet der Lichtgestalter Vogt. „Frühausfälle einzelner LED werden stören. Und bei Lichtlinien ist zum Beispiel nach wenigen Jahren ein LED-Austausch kaum mehr sinnvoll machbar.“ So kann es sein, dass die ganze Leuchte ersetzt werden muss, wenn eine LED defekt ist. Zudem strahlen neue effizientere LEDs bei gleichem Stromverbrauch immer heller. Wenn ein Stadtwerk also eine Leuchte ersetzt, ist die Strasse wegen allfälliger Helligkeitsveränderungen nicht mehr regelmässig ausgeleuchtet.
Buntere Welt
Wie wird sich die Welt mit Leuchtdioden verändern? Diese dürfte laut Vogt in Zukunft farbenfroher werden – aber auch modischer und damit kurzlebiger. Er befürchtet, dass die Farbigkeit sinnlos angewandt wird und damit zur reinen Spielerei verkommt. „Allgemein werden die Lichtstimmungen sicherlich vielfältiger, das Licht noch dynamischer und intelligenter“, sagt Vogt. „LEDs lassen sich – im Gegensatz zu Natriumhochdrucklampen – in beliebig kurzen Intervallen ein- und ausschalten. Damit könnte zum Beispiel der nächtliche Stadtraum selektiv beleuchtet werden. Unbefahrene Strassen oder verlassene Gassen wären in Dunkelheit gehüllt und nur wo sich gerade ein Mensch aufhält, hätte es Licht.“ |