Legionellen bleiben gefährlich Legionellen können zu lebensgefährlicher Lungenentzündung führen. Die Bakterien vermehren sich in Leitungssystemen von Klimaanlagen oder der Wasserverteilung. Die ETH Zürich hat das Legionellenwachstum erforscht. Die Resultate bestätigen, dass die Warmwassertemperatur zum Schutz vor Legionellen nicht unter 60° C abgesenkt werden sollte. Das Veteranentreffen der American Legion in Philadelphia (USA) hatte 1976 dramatische Folgen: Durch die Klimaanlage des Hotels wurde ein Bakterium verbreitet, das zum Tod von 29 Menschen führte. Später konnte der Erreger als "Legionella pneumophila" identifiziert werden. Damit war die "Legionärskrankheit", die akute Lungenentzündungen hervorruft, zu einem gefürchteten Begriff von Haustechnik-Planern und Installateuren geworden. In der Schweiz rechnet man zurzeit mit 2,3 Fällen pro 100 000 Einwohner und Jahr. Doch obwohl die Bevölkerung sensibilisiert ist und die meisten Fälle erkannt werden, ist die Gefahr noch keineswegs gebannt.
Die Gefahren sind bekannt
Legionellen gedeihen besonders gut in stehendem Wasser mit Temperaturen von 25 bis 45 °C. Die optimale Temperatur für das Wachstum dieser Bakterien liegt bei ca. 37 °C. Solche Gegebenheiten können in Leitungssystemen unterschiedlichster Gebäude vorkommen: Spitäler, Alters- und Pflegeheime, Hotels, Sportanlagen mit Duschen und Bädern, Kasernen oder Wohnüberbauungen mit zentraler Wassererwärmung. Ein besonders hohes Gesundheitsrisiko besteht in Spitalabteilungen, in denen sich Menschen mit stark geschwächtem Immunsystem befinden. Legionellen siedeln sich aber auch in Kühlkreisläufen von Klimaanlagen an oder vermehren sich bei sommerlicher Hitze in Wassertanks und Rasensprengern im Garten.
Legionellen setzen sich bei stehendem Wasser an den Leitungswänden an und bilden so genannte Biofilme. In dieser Form sind sie viel resistenter. Sie werden auch von Amöben aufgenommen. In diesen Einzellern vermehren sie sich und sind nach dem Verlassen des Wirtes sogar noch gefährlicher.
Aufgrund dieser Erkenntnisse gilt die Empfehlung, die Aufheizung des Warmwassers auf eine Temperatur von 60 °C einzustellen und stehendes Wasser in Leitungen und Becken durch entsprechende Installation und Nutzung zu vermeiden. Auch werden heute verschiedene Verfahren eingesetzt, um die Konzentration von Legionellen mit technischen Mitteln so tief zu halten, dass keine Gefährdung eintritt. Dazu gehören unter anderem chemische oder physikalische Desinfektion oder Filtration.
Energieeinsparungen als Risiko
Die empfohlene Warmwassertemperatur hat erhebliche Auswirkungen auf den Energieverbrauch. Bei den aktuell hohen Energiepreisen besteht die Gefahr, dass bei der Warmwassererzeugung bewusst tiefere Temperaturen eingestellt werden, um Kosten zu sparen. Nach heutigem Wissensstand wird dadurch aber das Legionellen-Wachstum begünstigt und die Infektionsgefahr erhöht. Ob dem wirklich so ist, wollte die ETH Zürich zusammen mit Industriepartnern herausfinden; sie haben in einem Forschungsprojekt die mikrobiologischen Zusammenhänge des Legionellen-Wachstums erforscht. Auch das Bundesamt für Energie (BFE) hat sich an diesem Vorhaben beteiligt. Denn erhebliche Energieeinsparungen wären erreichbar, wenn man eine Temperaturabsenkung beim Warmwasser generell verantworten könnte: Müsste das Wasser statt auf 60 °C nur auf 40 °C erwärmt werden, wären rund 40 Prozent weniger Energie aufzuwenden.
Legionellenwachstum unter der Lupe
Vor kurzem wurde das Forschungsprojekt zur Wachstumsregulation von Legionellen in Biofilmen und Amöben an der ETH Zürich abgeschlossen. Zum einen wurde dabei die Vernetzung von Legionellen in Biofilmen untersucht. Die Forscher beobachteten, wie Legionellen-Stämme an Oberflächen anhaften und Biofilme bilden. Zum andern wollte man erkennen, über welche Mechanismen und Gene das Wachstum von Legionellen in Amöben reguliert wird. Diese Arbeiten bestätigen, dass Biofilme und Amöben für das Überleben der Legionellen in der Umwelt eine grosse Bedeutung haben. Die erfolgreiche Bekämpfung von Legionellen in Wassersystemen scheint daher nur möglich zu sein, wenn Biofilme und Amöben ebenfalls eliminiert werden. Doch die Bakterien geben noch immer einige Rätsel auf: «Wir fragen uns, ob die Übertragung von Legionellen auf den Menschen vor allem via Amöben besonders gefährlich ist, da die Bakterien in dieser Konstellation speziell virulent sind», so Hubert Hilbi, Professor am Institut für Mikrobiologie der ETH Zürich.
Vorsicht ist weiterhin nötig
Vorsicht ist also weiterhin geboten: Eine Reduktion der Wassertemperatur deutlich unter 60 °C ist nicht angesagt. Energie sparen lässt sich mit anderen Massnahmen, zum Beispiel mit solarer Wassererwärmung. Solaranlagen sind heute ausgereift: Mit Unterstützung des BFE prüft das Institut für Solartechnik (SPF) an der Hochschule für Technik in Rapperswil Sonnenkollektoren und Anlagen systematisch. Damit sind die notwendigen Grundlagen für solares Warmwasser gelegt.
Dieser Artikel entstand im Auftrag des Bundesamtes für Energie (BFE). |