Glashütte setzt auf Recycling
Kontext: Medienservice, Nr. 5, Oktober 2006
AutorIn: Christa Rosatzin-Strobel
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Glasproduktion  

Bild1: Glühend heiss und doch formstabil: die frisch geformten Glasflaschen in der Glashütte Saint-Prex. (ch-fo/Vetropack, Emanuel Ammon)

Glashütte setzt auf Recycling
 
Der ökologisch sinnvollste Weg des Glasrecyclings ist die Produktion von Neuglas. 26 Prozent des Schweizer Altglases werden in Saint-Prex zu neuen Flaschen verarbeitet. Die letzte Glashütte in der Schweiz hat nun aufgerüstet: Ein neuer Ofen und eine effiziente Wärmerückgewinnung sorgen für eine umweltfreundliche Produktion.
Im Sekundentakt fallen glühende Tropfen aus einer Maschine in Formen, auf der Rückseite stellen Greifarme leuchtend orange-gelbe Flaschen auf ein Förderband. Obwohl noch 700 °C heiss, sind die Flaschen bereits formstabil. Sie wandern auf dem Förderband weiter in den so genannten Kühlofen. Dort werden die Flaschen behutsam gekühlt und anschliessend mit einem speziellen Schutzspray überzogen, um sie vor Kratzern zu schützen und die Bruchfestigkeit zu erhöhen. Nach einer dreistufigen Qualitätskontrolle werden die Glasbehälter auf Paletten geladen und anschliessend in die ganze Schweiz verschickt: Pro Tag verlassen eine Million Flaschen in verschiedenen Grüntönen das Glaswerk Saint-Prex. Der 1911 gegründete Betrieb inmitten der Waadtländer Rebberge ist die einzige Glashütte in der Schweiz. Dank der Modernisierung des Ofens und der Erweiterung der Lagerhallen werden die Konsumenten auch in Zukunft Bier und Wein aus Glasflaschen «Made in Switzerland» trinken.

Hohe Energieeinsparung
Kernpunkt der Erneuerung war der Einbau eines neuen Glasschmelzofens mit einer modernen Wärmerückgewinnung. Um Glas zum Schmelzen zu bringen, sind Temperaturen von knapp 1600 °C notwendig. Mit der entstehenden Abwärme wird die Verbrennungsluft auf 1300 °C vorgeheizt. Dank dieser Wärmerückgewinnung reduziert sich der Energieverbrauch der Glasproduktion um 30 Prozent. In der gleichen Grössenordnung sinken auch der Schadstoffausstoss und die CO2-Emissionen. Zu einer weiteren Energieeinsparung wird die geplante Erhöhung des Altglasanteils beitragen. Denn das Einschmelzen der Glasscherben braucht bis zu 25 Prozent weniger Energie als das Schmelzen von primären Rohstoffen wie Quarzsand, Soda und Kalk. Bereits heute bestehen die Flaschen aus Saint-Prex zu rund 80 Prozent aus Altglas, nur 20 Prozent machen Primärrohstoffe aus. Ziel ist, den Recyclinganteil auf 90 Prozent zu erhöhen.

Glasproduktion sinnvoller als Versandung
Zurzeit verarbeitet das Glaswerk Saint-Prex 81’000 Tonnen Altglas – das entspricht 26 Prozent der gesamten Schweizer Altglasmenge. Das restliche Altglas wird über verschiedene Wege verwertet: 9 Prozent werden zu Schaumglasschotter für die Bauindustrie verarbeitet, 12 Prozent lokal vermahlen und als Ersatz für Sand oder Kies im Strassenbau eingesetzt. Das übrige Altglas – gut 50 Prozent – werden in Glaswerke im angrenzenden Ausland exportiert.
Zwar ist die Produktion von Neuglas aus ökologischer Sicht sinnvoller als die lokale Versandung. Es stellt sich aber die Frage, ob dieser Vorteil auch Bestand hat, wenn die Glas-scherben über grössere Distanzen in ausländische Werke transportiert werden müssen. Vetroswiss, die vom Bund beauftragte Organisation zur Erhebung und Auszahlung der vor-gezogenen Entsorgungsgebühr, hat dies mit einer Ökobilanz überprüfen lassen. Das Resultat: Das Einschmelzen der Scherben zur Produktion von Neuglas ist bis zu einer Transportdistanz von 1700 km ökologisch sinnvoller als das Versanden. Bei den heute üblichen Transportdistanzen von unter 250 km bis zur Glashütte ist die Umweltbelastung durch das Einschmelzen rund 40 bis 50 Prozent geringer als bei der Verwertung durch Versanden – auch wenn letzteres deutlich kürzere Transportwege bedingt.

Fremdstoffe eliminieren
In Saint-Prex wird vorwiegend Altglas aus der Romandie verarbeitet. Dieses rollt auf der Schiene direkt in die Glashütte. Der Güterwagen wird seitlich geöffnet und in eine Mulde entleert. Bevor die Scherben in den Glasofen wandern, müssen sie aufbereitet werden. Denn leider landen noch immer viele Fremdstoffe in den Altglascontainern. Insbesondere Keramik, Porzellan und Kristallglas führen zu zusätzlichem Ausschuss in der Flaschenproduktion. Sie werden in der Aufbereitungsanlage durch verschiedene Prozesse bestmöglich aus dem Altglas entfernt. Zuvor ist aber Handarbeit angesagt: Zwei Arbeiter sind dauernd damit beschäftigt, Kleider, Schuhe, PET-Flaschen oder gar Windeln aus dem vorbeiziehenden Scherben-haufen auf dem Fliessband zu fischen. Keine besonders angenehme Arbeit, die sich mit etwas mehr Sammeldisziplin vermeiden liesse.

Dieser Artikel entstand im Auftrag von VetroSwiss.

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Letzte Aktualisierung: 08.09.2010 14:47
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