|
|
| Kraftpakete der Zukunft |
| |  Bild1: Roboter traten gegen Menschen im Armdrücken an. (ch-fo/Jet Propulsion Laboratory/Caltech/NASA, Dr. Y. Bar-Cohen) | | | Ein neuartiges Material: Elektroaktive Polymere sind elastisch und verformen sich unter dem Einfluss einer elektrischen Spannung Kraftpakete der Zukunft (ch-fo) Eine junge Technologie mit grossem Potenzial – elektroaktive Polymere eignen sich als Rohstoff für künstliche Muskeln. Ob sich damit natürliche Muskeln ersetzen lassen, wird sich erst zeigen. Anfang März 2005 fand in San Diego, Kalifornien, eine Weltmeisterschaft der besonderen Art statt: Eine siebzehnjährige Studentin mass sich im Armdrücken mit drei Robotern. Einer davon wurde an der Eidgenössischen Materialprüfungs- und Forschungsanstalt (Empa) in Dübendorf entwickelt, zwei in den USA. Wären die Gegner mit herkömmlichen Motoren oder pneumatischen Pumpen ausgerüstet gewesen, hätte die junge Frau kaum eine Chance gehabt. Doch die Studentin trat gegen elektroaktive Polymere an, eine Art künstlicher Muskeln – und gewann.
Erfolg trotz Niederlage
Den Robotern fehlte es nicht an Kraft, sondern an Ausgereiftheit. «Unser Roboter ist im Prototypenstadium. Wenn alle Teilsysteme funktionieren, wird er gewinnen», sagte Silvain Michel, Gruppenleiter Adaptive Struktursysteme an der Empa, vor dem Wettbewerb. Doch die Studentin bezwang den Roboter in kurzer Zeit. Er konnte nicht mit voller Kraft drücken, da nur ein Teil der künstlichen Muskelstränge aktiviert werden konnte. Trotzdem bedeutet die Weltmeisterschaft einen grossen Erfolg für das Team. Der Roboter aus der Schweiz war den anderen Maschinen weit überlegen. «Die Fachwelt war beeindruckt, dass wir künstliche Muskeln in dieser Menge und Stabilität herstellen können», schildert Michel die Reaktionen aus San Diego.
Für ihren Roboter bauten die Forscher der Empa über 250 zylinderförmige Muskelstränge. Dabei nutzen die Forscher die Eigenschaften eines alltäglichen Materials. Polymerfolien – bekannt als handelsübliche Klebefolien – sind sehr elastisch und ändern ihre Form unter dem Einfluss eines elektrischen Feldes. Sie werden dünner und dehnen sich in der Länge und Breite aus. Um das elektrische Feld zu erzeugen, beschichten die Forscher das Polymer auf beiden Seiten mit leitfähigem Grafitpulver. Legt man nun eine Spannung zwischen den Grafitschichten an, entsteht wie bei einem Kondensator ein elektrisches Feld. Die Polymerfolie und mit ihr die Grafitschichten dehnen sich seitlich aus – eine leichte, elastische Fläche, die sich kontinuierlich auf mehr als das Doppelte vergrössern lässt.
Künstliche Muskeln
Ein besonders interessantes Anwendungsgebiet elektroaktiver Polymere ist die biomedizinische Technik. Es gibt zwar viele technische Systeme wie pneumatische Pumpen oder Elektromotoren, die wie Muskeln Kraft erzeugen können. Doch alle haben gewichtige Nachteile. Mal sind sie zu schwer und zu gross, mal zu wenig dehnbar oder zu schwach. Elektroaktive Polymere hingegen sind natürlichen Muskeln sehr ähnlich: Bei vergleichbarer Leistungsfähigkeit sind die künstlichen Systeme etwa gleich gross und gleich schwer wie natürliche Muskeln. Dank ihrer hohen Elastizität können sie sich unzählige Male ausdehnen und wieder zusammenziehen.
Bei der Herstellung der Muskelstränge wickeln die Forscher 10 bis 50 Lagen der beschichteten Polymerfolie um eine zusammengedrückte Feder. Legt man eine elektrische Spannung an, dehnt sich die Polymerfolie in Längsrichtung und die Feder entspannt sich. Der künstliche Muskel verlängert sich um bis zu 30 Prozent. Schaltet man die Spannung ab, zieht sich der Zylinder auf die ursprüngliche Länge zusammen. Damit verhalten sich die technischen Systeme genau umgekehrt zu natürlichen Muskeln, die im Ruhezustand länger sind.
Technologie mit Zukunft
Ob elektroaktive Polymere dereinst natürliche Muskeln ersetzen können, wird sich erst zeigen. «Das Potenzial der Technologie wird in Fachkreisen sehr hoch eingeschätzt», weiss Michel. Doch der Forscher erwartet noch einen erheblichen Entwicklungsaufwand. Ein Hindernis sind die hohen Spannungen. Die künstlichen Muskeln der Empa werden derzeit mit Spannungen von vier bis fünf Kilovolt betrieben – für den Einsatz im menschlichen Körper sind diese Werte mehr als hundertmal zu gross.
Elektroaktive Polymere lassen sich nicht nur als künstliche Muskeln einsetzen. Die Anwendungen sind vielfältig: Flügelprofile könnten ihre Form dynamisch an die jeweiligen Flugbedingungen anpassen. So würde der Treibstoffverbrauch stark reduziert. Denkbar sind auch elastische Rohre, die lokal ihren Durchmesser ändern und empfindliche Flüssigkeiten transportieren.
Dieser Artikel entstand im Auftrag der Empa. |  |  |  |  | 125 Jahre Empa
Die Empa feiert 2005 ihr 125-jähriges Bestehen. 1880 als Anstalt zur Prüfung von Bauma-terialien gegründet, ist sie heute eine moderne Forschungsunternehmung. Als unabhängige, neutrale Institution im ETH-Bereich konzentriert sie sich auf zielgerichtete, anwendungs-orientierte Forschung, zum Beispiel in den Bereichen Nanotechnologie, neue Werkstoffe oder Medizinaltextilien.
www.empa.ch | |  |  |  |  | | | | | |
|
| Diese Ausgabe |
Kraftpakete der Zukunft
Eine junge Technologie mit grossem Potenzial – elektroaktive Polymere eignen sich als Rohstoff für künstliche Muskeln. Ob sich damit natürliche Muskeln ersetzen lassen, wird sich erst zeigen.
|
Lobby für Technik und Innovation
 2005 ist das nationale Jahr der Technik. Zentrales Anliegen ist, die Bedeutung der Technik für Wirtschaft und Gesellschaft bewusst zu machen und den Technologiestandort Schweiz zu stärken.
[Lesen/Download]
|
Glas – ein vielseitiger Werkstoff
 Mit einer Altglas-Rücklaufquote von rund 95% gehört die Schweiz weltweit zur Spitze. Glas sammeln ist selbstverständliche - doch immer häufiger stellt sich die Frage, wohin mit den blauen und roten Flaschen?
[Lesen/Download]
| |
| |
|
| | | Forschungsnews | | |
KTI Medtech Award 2010 : «Intelligentes» Pflegebett Eine weitere Anerkennung für das Team des Empa-Spin-off «compliant concept»: Am 31. August wurde ...
|
Forschungsjubiläum beginnt mit Fest am WSL-Hauptsitz Die Eidgenössische Forschungsanstalt WSL und das WSL-Institut für Schnee- und Lawinenforschung SLF...
|
Selbstbestimmt über das Lebensende entscheiden Die Mehrheit der Schweizerinnen und Schweizer wollen selbstbestimmt entscheiden, wann sie ihr Leben ...
|
Vereinfachte Suche nach Antibiotika Biosensoren für Botenstoffe in lebenden Bakterien
Neuartige Sensoren mit einer unübertroffenen Emp...
|
Der andere Blick Verständlich oder wissenschaftlich exakt? ?Am besten beides?, wäre der Leserwunsch, wenn Forsc...
|
Gelungener Basler Universitätstag in Aarau Dieses Wochenende war der Kanton Aargau für einmal Universitätskanton, denn die Universität Basel...
|
Ökobilanz von Lithium-Ionen-Akkus für Elektroautos: Umweltfreundlicher als erwartet Batterie betriebene Elektrofahrzeuge dürften für die Mobilität der Zukunft eine wichtige Rolle sp...
|
How supermassive black holes were formed The first supermassive black holes were formed shortly after the "Big Bang". That is the conclusion ...
|
Wie supermassive Schwarze Löcher entstanden Die ersten supermassiven Schwarzen Löcher sind kurz nach dem Urknall entstanden. Zu diesem Schluss ...
|
Business as unusual Rund 50 Teams haben diesen Sommer am ersten Social-Business-Gründerwettbewerb in der Schweiz teilge...
|
Society in Science ? The Branco Weiss Fellowship selects three new fellows Society in Science ? The Branco Weiss Fellowship, a program of ETH Zurich to support outstanding j...
|
Neue Karriere für lebenswichtiges Biomolekül möglich Forschende des Paul Scherrer Instituts und der Universität Basel ändern gezielt die magnetischen E...
|
Bern stärkt Forschung zu nachhaltiger Entwicklung Die Universität Bern hat heute das Interdisziplinäre Zentrum für Nachhaltige Entwicklung und Umwe...
|
Verhaltensänderungen epigenetisch vererbt Traumatische Erlebnisse während der Kindheit oder der Jugend können verschiedene Verhaltensstörun...
|
Nutzpflanzen werden als Rohstoff zunehmend wichtiger Die Bedeutung von Pflanzen als industrielle Ressource wird wieder zunehmen, insbesondere wenn die Er...
|
Gedächtnistests im Weltraum - Universität Basel an ISS-Raumfahrtprojekt beteiligt Ein internationales Forscherteam wird in den kommenden Jahren die gesundheitlichen Folgen von länge...
|
Implantatversagen durch Nanokorrosion: Empa-Forschende klären, warum sich Implantatbeschichtungen lösen Extrem harte Beschichtungen aus diamantartigem Kohlenstoff (DLC) verlängern bei Werkzeugen und Baut...
|
Wie stark Fachhochschulen Unternehmensgründungen fördern Schweizer Fachhochschulen bieten angehenden Gründerinnen und Gründern unterschiedliche Voraussetzu...
|
Energieautonome Bodenseeregion rückt näher Internationale Bodensee-Hochschule fördert nachhaltige Regionalentwicklung
|
Neuer Röntgenblick ins Hirn Bildgebungsverfahren liefert genauere Ansichten
Forschende der Universität Basel schauen mit einem ...
|
Gen bringt Zähne in Form Keine gesunden Zähne ohne dieses Gen: Wird bei der Zahnbildung das so genannte Jagged2-Gen deaktivi...
|
Universelles Gesetz für Veränderungen in Werkstoffen gefunden In vielen wichtigen Werkstoffen findet man mehrere Phasen ? Bereiche, die sich in ihrer Struktur o...
|
| Letzte Aktualisierung: 03.09.2010 13:38 |
|