«Frauen stecken ihre Karriere oft zurück»
Kontext: Medienservice, Nr. 4, August 2004
AutorIn: Interview: Irene Bättig
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Sarah Springman  

Bild1: Sarah Springman ist Professorin für Geotechnik an der ETH Zürich. Sie studierte in Cambridge (GB) Bodenmechanik. Nach fünf Jahren in der Industrie kehrte sie mit einem Master und einem Doktorat in die Forschung zurück. Parallel dazu gewann sie zahlreiche Titel im Triathlon. (ch-fo)

Frauen mit naturwissenschaftlich-technischen Karrieren geben Auskunft
«Frauen stecken ihre Karriere oft zurück»
 
CH-Forschung: An der ETH Zürich sind nur 7 Prozent der Professuren von Frauen besetzt. Wie fühlen Sie sich in dieser Männerwelt?
Sarah Springman: Ich fühle mich ganz zu Hause. Als Bauingenieurin bin ich daran gwöhnt, eine der wenigen Frauen zu sein. Als Frau wird man in einem männlichen Umfeld kritischer angeschaut. Man muss lernen, die eigene Meinung einzubringen und sich durchzusetzen.

Warum gibt es so wenig Professorinnen, vor allem in naturwissenschaftlich-technischer Richtung?
Eine Ingenieurin passt nicht so recht ins Bild der Leute. Die Kombination mit Partnerschaft und Kindern ist nicht einfach. Oft stellt die Frau ihre Karriere für diejenige des Mannes und für die Familie zurück.

Ist eine akademische Laufbahn überhaupt mit Familie vereinbar?
Ja, aber es braucht die Unterstützung des Instituts und des Partners.

Haben Sie Ihre Karriere gezielt geplant?
Nein, ich bin durch eine Kette von Zufällen hier an die ETH gekommen. Eigentlich wollte ich in der Industrie bleiben, bin dann aber durch einen Master-Studiengang in die Forschung gerutscht. Erst hier habe ich herausgefunden, dass ich nicht so schlecht bin in der Forschung, wie ich vorher vermutet hatte.

Eine typische Frauenkarriere?
Sich ablenken zu lassen und seine Pläne zu ändern ist typisch für Frauen. Männer sind oft zielstrebiger. Frauen sind vielfältiger interessiert, arbeiten in viel mehr Bereichen. Sie fühlen sich eher verpflichtet, auch etwas für die Gesellschaft zu tun. Deshalb verlaufen ihre Karrieren oft nicht ganz geradlinig.

Müssen Frauen an Hochschulen gezielt gefördert werden? Unbedingt. Am Institut versuchen wir mit verschiedenen Anlässen, junge Frauen für ein Bauingenieurstudium zu gewinnen. Frauen brechen ihr Studium eher ab als Männer. Hier kann die Hochschule die Studentinnen unterstützen – noch wichtiger aber ist die Unterstützung von Eltern und Freunden. Zentral ist, den Wiedereinstieg in den Forschungsbetrieb zu erleichtern. Es gibt viele intelligente Frauen, die ihre Karriere wegen der Familie oder eines Auslandaufenthalts des Partners unterbrochen haben. Der Marie-Heim-Vögtlin-Fonds des Schweizerischen Nationalfonds ist hier ein wichtiges Instrument.

Hatten Sie je das Gefühl, als Frau benachteiligt zu werden, oder spielt gar ein gewisser Frauenbonus?
Ich fühlte mich kaum je benachteiligt. Bei meiner Wahl als Professorin an der ETH spielte ein gewisser Frauenbonus. Man war sehr offen für eine Frau und hoffte, dass ich die Erwartungen erfüllte. In erster Linie zählen an der ETH die Qualifikationen, die Anzahl Veröffentlichungen. Hier haben Frauen, die ihre Karriere unterbrochen haben oder in einem anderen Bereich gearbeitet haben, einen Nachteil. Die Hochschulen sollten Qualifikationen aus Parallelkarrieren mehr Beachtung schenken.

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«Frauen stecken ihre Karriere oft zurück»
Interview mit Sarah Springman, Professorin für Geotechnik an der ETH Zürich.
 
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Letzte Aktualisierung: 08.09.2010 14:47
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