«Frauen in Führungspositionen sind heute keine Paradiesvögel mehr»
Kontext: Medienservice, Nr. 4, August 2004
AutorIn: Interview: Christa Rosatzin
Download:   Bild1 im JPG-Format (96.27 KB)
Interview_thoma.rtf
 
PrintVersion
Dieser Artikel ist älter als ein Jahr (2004-08-10). Die Informationen könnten veraltet sein. Bitte überprüfen Sie deren Aktualität.
Suzanne Thoma  

Bild1: Suzanne Thoma ist promovierte Chemieingenieurin (ETH Zürich) mit Wirtschaftsdiplom (GSBA Horgen). Im Jahr 2002 übernahm sie die Geschäftsführung der Rolic Technologies Ltd. in Allschwil. Sie ist Mutter von zwei Kindern im Alter von fünfzehn und dreizehn Jahren. (ch-fo)

Frauen mit naturwissenschaftlich-technischen Karrieren geben Auskunft
«Frauen in Führungspositionen sind heute keine Paradiesvögel mehr»
 
CH-Forschung: Sie arbeiten in einer Welt, die von Männern dominiert ist. Wie fühlen Sie sich dabei?
Suzanne Thoma: Grundsätzlich fühle ich mich wohl. Doch über gewisse Mechanismen wundere ich mich noch immer – nach 15 Jahren. Gruppen, die ausschliesslich aus Männern bestehen, funktionieren anders.

In welcher Hinsicht?
Männer kommunizieren anders. Frauen suchen die persönliche Ebene und lassen ihre Person bewusst einfliessen. Männer hingegen leiten sich ihre Rechte und Pflichten in erster Linie aus der Funktion ab. Der Mensch dahinter kommt erst mit der Zeit zum Vorschein. Selbstverständlich gibt es immer Ausnahmen.

Wie sähe die Industrie aus, wenn mehr Frauen an der Spitze wären?
Eine von Frauen dominierte Industrie – sie werden lachen – wäre rationaler. Es gäbe weniger politische Spiele. Im Zentrum stünde vielmehr das Erfüllen der Aufgabe, als das Erreichen einer Hierarchiestufe.

Wie könnte man mehr Frauen an die Spitze bringen?
Das Bild einer Führungsperson ist noch immer ein männliches. Einer Frau, die so genannte weibliche Verhaltensmuster zeigt, werden die Führungskompetenzen oft abgesprochen, obwohl sie von ihren Mitarbeitern gut akzeptiert wird und auch die gesteckten Ziele erreicht. Deshalb, es tönt zwar etwas revolutionär: Man müsste nicht die Frauen, sondern die Chefs fördern. Es braucht ein Umdenken.

War es schwierig, Beruf und Familie zu vereinbaren?
Als voll berufstätige Mutter habe ich stets einen gewissen Leistungsdruck gefühlt, eine besonders gute und liebevolle Mutter zu sein. Zudem habe ich wegen der hohen Betreuungskosten und der Steuerprogression jahrelang «gratis» gearbeitet. Wenn die Erwerbsquote, insbesondere der gut ausgebildeten Frauen, erhöht werden soll, müsste hier angesetzt werden.

Können Führungskräfte Teilzeit arbeiten?
Wenn sie ein Unternehmen leiten, ist Teilzeit oft möglich. Viele Manager sitzen in mehreren Verwaltungsräten und hatten früher oft Zeit raubende Engagements im Militär. Als Abteilungsleiter, wenn sie häufig Kundenkontakt haben oder Forschungsprojekte führen, wird es schwieriger. Dort müsste sehr viel Flexibilität gefordert werden.

Müssen sich Frauen heute noch immer bewähren?
Ja, Frauen müssen zuerst zeigen, was sie können. Bei einem Mann geht man davon aus, dass er die Kompetenz für seine Aufgabe hat und im schlechten Fall wird man enttäuscht. Zudem ist die Toleranz für Fehler bei Frauen kleiner.

Was raten Sie Frauen, die Karriere machen wollen?
Sehen Sie vor allem die Chancen und lassen Sie sich nicht abhalten. Halten Sie sich von Zweiflern fern und akzeptieren Sie Rückschläge als Lernerfahrungen. Ich habe zwischen 1990 und heute einen radikalen Wandel festgestellt. Frauen in technischen Berufen oder in Führungspositionen sind heute keine Paradiesvögel mehr. Sie werden ernst genommen.

 Diese Ausgabe
Informatik: Frauen im Abseits
(ch-fo) Frauen wurden seit Beginn des Informatikzeitalters sukzessive aus dieser aufstrebenden Disziplin verdrängt, wie eine Studie der Universität Zürich zeigt. [Lesen/Download]
«Frauen in Führungspositionen sind heute keine Paradiesvögel mehr»
Interview mit Suzanne Thoma, CEO Rolic Technologies Ltd.
«Frauen stecken ihre Karriere oft zurück»
Interview mit Sarah Springman, Professorin für Geotechnik an der ETH Zürich. [Lesen/Download]
 
 Forschungsnews
 
Ein Unifest für alle - Basel feiert seine Universität
Die Universität Basel richtet im Rahmen ihres 550-Jahr-Jubiläums vom 17. bis 19. September auf dem...
Multidrug-resistant tuberculosis in Europe: Managed or mismanaged?
BARCELONA ? The European Respiratory Society as well as researchers from the World Health Organiza...
Eine Zukunft ohne Wirtschaftswachstum?
Lässt es sich in Zukunft auch ohne Wirtschaftswachstum gut leben? Auf diese Frage liefern die Ökon...
Helma Wennemers erhält Leonidas Zervas Award
Die Basler Chemieprofessorin Helma Wennemers wird heute (Montag, den 6. September 2010) mit dem Leon...
Wälder kühlen mit Verspätung
Wälder haben bei Hitzewellen anfangs keinen kühlenden Effekt, sondern heizen die Atmosphäre sogar...
KTI Medtech Award 2010 : «Intelligentes» Pflegebett
Eine weitere Anerkennung für das Team des Empa-Spin-off «compliant concept»: Am 31. August wurde ...
Forschungsjubiläum beginnt mit Fest am WSL-Hauptsitz
Die Eidgenössische Forschungsanstalt WSL und das WSL-Institut für Schnee- und Lawinenforschung SLF...
Selbstbestimmt über das Lebensende entscheiden
Die Mehrheit der Schweizerinnen und Schweizer wollen selbstbestimmt entscheiden, wann sie ihr Leben ...
Vereinfachte Suche nach Antibiotika
Biosensoren für Botenstoffe in lebenden Bakterien Neuartige Sensoren mit einer unübertroffenen Emp...
Der andere Blick
Verständlich oder wissenschaftlich exakt? ?Am besten beides?, wäre der Leserwunsch, wenn Forsc...
Gelungener Basler Universitätstag in Aarau
Dieses Wochenende war der Kanton Aargau für einmal Universitätskanton, denn die Universität Basel...
Ökobilanz von Lithium-Ionen-Akkus für Elektroautos: Umweltfreundlicher als erwartet
Batterie betriebene Elektrofahrzeuge dürften für die Mobilität der Zukunft eine wichtige Rolle sp...
How supermassive black holes were formed
The first supermassive black holes were formed shortly after the "Big Bang". That is the conclusion ...
Wie supermassive Schwarze Löcher entstanden
Die ersten supermassiven Schwarzen Löcher sind kurz nach dem Urknall entstanden. Zu diesem Schluss ...
Business as unusual
Rund 50 Teams haben diesen Sommer am ersten Social-Business-Gründerwettbewerb in der Schweiz teilge...
Society in Science ? The Branco Weiss Fellowship selects three new fellows
Society in Science ? The Branco Weiss Fellowship, a program of ETH Zurich to support outstanding j...
Neue Karriere für lebenswichtiges Biomolekül möglich
Forschende des Paul Scherrer Instituts und der Universität Basel ändern gezielt die magnetischen E...
Bern stärkt Forschung zu nachhaltiger Entwicklung
Die Universität Bern hat heute das Interdisziplinäre Zentrum für Nachhaltige Entwicklung und Umwe...
Verhaltensänderungen epigenetisch vererbt
Traumatische Erlebnisse während der Kindheit oder der Jugend können verschiedene Verhaltensstörun...
Nutzpflanzen werden als Rohstoff zunehmend wichtiger
Die Bedeutung von Pflanzen als industrielle Ressource wird wieder zunehmen, insbesondere wenn die Er...
Gedächtnistests im Weltraum - Universität Basel an ISS-Raumfahrtprojekt beteiligt
Ein internationales Forscherteam wird in den kommenden Jahren die gesundheitlichen Folgen von länge...
Implantatversagen durch Nanokorrosion: Empa-Forschende klären, warum sich Implantatbeschichtungen lösen
Extrem harte Beschichtungen aus diamantartigem Kohlenstoff (DLC) verlängern bei Werkzeugen und Baut...
Wie stark Fachhochschulen Unternehmensgründungen fördern
Schweizer Fachhochschulen bieten angehenden Gründerinnen und Gründern unterschiedliche Voraussetzu...
Energieautonome Bodenseeregion rückt näher
Internationale Bodensee-Hochschule fördert nachhaltige Regionalentwicklung
Letzte Aktualisierung: 09.09.2010 10:54
Powered by Sprachwerk GmbH, Version 2.73