Studie zur Informatik in der Schweiz Informatik: Frauen im Abseits (ch-fo) Frauen wurden seit Beginn des Informatikzeitalters sukzessive aus dieser aufstrebenden Disziplin verdrängt, wie eine Studie der Universität Zürich zeigt. Programmiererinnen und Rechnerinnen waren zu Beginn der Computerentwicklung keine Seltenheit. „Mit der wachsenden Bedeutung von Informationstechnologien wurde dieses Berufsfeld zunehmend von Männern besetzt“, sagt Brigitte Liebig, Oberassistentin an der Abteilung Sozialpsychologie der Uni Zürich. Heute ist die Informatik eine von Männern dominierte Welt, wie eine Studie der Soziologin im Rahmen des Schwerpunktprogramms „Zukunft Schweiz“, finanziert vom Schweizerischen Nationalfonds, zeigt.
Zu Beginn mehr Studentinnen
Anfang der 80er Jahre, als die Informatik an Schweizer Hochschulen eingerichtet wurde, waren immerhin etwa 17 Prozent der Studierenden Frauen. Schon bald aber brachen die Zahlen ein und lagen viele Jahre unter 10 Prozent. Erst seit kurzem entscheiden sich wieder mehr Frauen für das Studium Informatik – 2001 lag ihr Anteil bei 13 Prozent. Ein ähnliches Bild zeigt sich in der Wirtschaftsinformatik, allerdings auf höherem Niveau. Eine Vielzahl von Faktoren kommt für die Ungleichverteilung der Geschlechter in Betracht. Einerseits hat sich die Informatik als neues Berufsfeld herausgebildet – diese Entwicklung zeigt auch in anderen Berufen eine „Vermännlichung“ und eine Verdrängung von Frauen an. Daneben spielen auch psychologische Faktoren eine Rolle: Frauen werden gerne mit sozialen Kompetenzen in Verbindung gebracht, während die Beschäftigung mit Technik Männer in ihrer Männlichkeit aufwertet. Umgekehrt gelten Bereiche, die – wie die Informatik – mehrheitlich von Männern ausgeübt werden wiederum als technisch. Auch werden Frauen in ihren Berufswünschen von Eltern, Lehrkräften und Arbeitgebern oft entmutigt, eine Laufbahn im Bereich Technik einzuschlagen. Die Studie an der Universität Zürich, die auf der Auswertung statistischer Daten zwischen 1980 und 2001 beruht, zeigt zudem, dass die Chancen auf akademische Karrieren für Frauen eingeschränkt sind. „In der Forschung sind Frauen vor allem auf befristeten Drittmittelstellen angestellt“, so Liebig. „An kleineren Instituten mit geringerem Renommee ist der Frauenanteil höher als an den finanziell gut ausgestatteten Forschungsabteilungen.“
Auf unbedeutenden Posten
Der Anteil weiblicher Beschäftigter in der Informatikbranche liegt seit 1980 relativ konstant bei rund 22 Prozent. Während Frauen insgesamt am Wachstum der Informatikbranche teilhaben konnten, zeigt sich bei genauerem Hinschauen ein anderes Bild. Denn nur im weniger einträglichen Bereich der Datenverwaltung und -aufbereitung ist der Frauenanteil stetig gestiegen und beträgt heute rund 46 Prozent. In der Softwarebranche hat sich das Geschlechterverhältnis hingegen zu Ungunsten von Frauen verschoben: Waren 1991 noch 27 Prozent Frauen in der Softwareentwicklung tätig, sank deren Anteil Mitte der 90er, als das Internetzeitalter begann, auf 21 Prozent und ist seitdem weiter rückläufig. „Das exponentielle Wachstum der Softwarebranche ging mit der Ausgrenzung von Frauen einher.“ Auch gut qualifizierte Frauen drohen in der Arbeitswelt eher in schlechter gestellte Bereiche abzurutschen. Beobachtungen bei Start-ups der Informatikbrache machen solche Prozesse deutlich: Die qualifizierte Ingenieurin teilt das Büro mit der Sekretärin und übernimmt in deren Abwesenheit die administrativen Arbeiten, während ihre männlichen Kollegen sich ganz auf ihr Kerngeschäft konzentrieren können. In grösseren Unternehmen werden Frauen auf den ersten Blick gut gefördert. „Das hier häufig anzutreffende Arbeitsverständnis, das von allen Mitarbeitenden unternehmerisches Denken und einen sehr hohen Einsatz erwartet, erlaubt jedoch nur in geringem Masse ausserbetriebliche Verpflichtungen“, sagt Brigitte Liebig. Dadurch werden Frauen indirekt benachteiligt, da sie zumeist diejenigen sind, welche die Doppelbelastung von Familie und Beruf zu tragen haben.
|