Ist gegen Krebs ein Kraut gewachsen?
Kontext: Medienservice, Nr. 3, Juni 2004
AutorIn: Irene Bättig
InfoPlus:Prof. Dr. Heinrich Walt, Forschungsabteilung Gynäkologie, Universitätsspital Zürich, 8091 Zürich, E-Mail: , Prof. Dr. med. Axel Brattström, Zeller AG, 8590 Romanshorn,
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Johanniskraut

Bild1: Johanniskraut (Hypericum Perforatum) ist schon seit 2000 Jahren als Naturheilmittel bekannt. (ch-fo/ Werner Arnold)

Johanniskraut in der Krebstherapie
Ist gegen Krebs ein Kraut gewachsen?
 
Johanniskraut ist bekannt als Heilmittel gegen leichte bis mittelschwere Depressionen. Doch das Wunderkraut soll noch mehr können: Seine Verwendung in der Prävention, Diagnose und Therapie von Krebs wird intensiv erforscht.
Schon seit fast 2000 Jahren ist Johanniskraut als Heilmittel bekannt. Erst im Mittelalter erkannte man jedoch die psychoaktiven Eigenschaften, für welche die Pflanze heute vor allem berühmt ist. „Die Wirksamkeit von verschiedenen Johanniskrautpräparaten gegen leichte bis mittlere Depressionen ist hinlänglich belegt“, sagt Axel Brattström, Forschungsleiter der Zeller AG. In letzter Zeit machte das Naturheilmittel auch im Zusammenhang mit Krebs von sich reden: Es gibt Hinweise, dass es krebsauslösende Stoffe unschädlich macht, das Wachstum von Tumoren verlangsamt oder sogar einen programmierten Zelltod bei Krebszellen auslöst.

Schlüssel zur Prävention
Am Institut für klinische Pharmakologie an der Berliner Charité haben Wissenschafter festgestellt, dass Johanniskraut möglicherweise zur Verhütung von Krebsformen dienen kann, die durch Umweltgifte verursacht sind. Sie untersuchten die Wirkung von verschiedenen, im Handel erhältlichen Johanniskrautpräparaten auf das krebsauslösende Benzpyren. Die Sub-stanz kommt in Tabakrauch, verkohltem Fleisch oder Autoabgasen vor. Benzpyren verursacht wie viele andere Stoffe erst Krebs, wenn es im menschlichen Körper umgewandelt wird. Der entscheidende letzte Schritt dieser Verstoffwechselung wird durch ein bestimmtes Enzym ausgelöst. Die Berliner Wissenschafter haben herausgefunden, dass die Johanniskrautextrakte das wichtige Enzym bremsen und somit den letzten Umwandlungsschritt unterbinden. „Die Hemmung des Enzyms könnte ein Schlüsselmechanismus zur Krebsvorsorge sein“, meint der Direktor des Instituts, Ivar Roots. Weil andere chemische Stoffe den gleichen Stoffwechselweg durchlaufen, ist Johanniskraut möglicherweise fähig, auch weitere kanzerogene Stoffe unschädlich zu machen.

Mit Licht zum Zelltod
Ein vielversprechender Ansatz im Kampf gegen Krebs ist die Fluoreszenzdiagnose und Therapie: Ein fluoreszierender Farbstoff, der sich vornehmlich in Tumorzellen anreichert, wird dem Patienten verabreicht. Wird das Gewebe zum Beispiel mit blauem Licht beleuchtet, so wandelt der Farbstoff dieses Licht in rotes um. Ein von blossem Auge kaum erkennbarer Tumor hebt sich dadurch deutlich ab und die Grenze zwischen krankem und gesundem Gewebe ist haarscharf erkennbar. Zur Früherkennung oder auch bei operativen Eingriffen bringt diese Methode grosse Hilfe. Teilweise wirken diese Farbstoffe gleichzeitig als so genannte Photosensibilisatoren und sind auch zur Therapie von Krebs einsetzbar: Werden die Tumore mit Licht einer gewissen Wellenlänge bestrahlt, stimuliert der Photosensibilisator die Bildung von Sauerstoff und freien Radikalen, welche die Krebszellen zerstören. Forschungsergebnisse zeigen, dass Johanniskraut – insbesondere der Inhaltsstoff Hypericin – als Photosensibilisator wirkt. Am Universitätsspital Zürich forscht Heinrich Walt an dieser Methode. Eher zufällig ist er auf die Wirksamkeit von Johanniskraut gestossen, als verschiedene Patientinnen mit einem gebräuchlichen Photosensibilisator behandelt wurden. „Bei einer Frau zeigte sich der Effekt viel deutli-cher“ erzählt Heinrich Walt. „Es stellte sich heraus, dass sie gleichzeitig Johanniskrautextrakte zu sich nahm.“ Diesem Phänomen gehen die Wissenschafter nun weiter nach. Dabei sind sie nicht allein. Weltweit wird eifrig geforscht, denn Johanniskraut hat einige Vorteile gegenüber herkömmlichen Farbstoffen: Es wird gut vertragen, ist hoch tumorsensibel und bleicht weniger schnell aus.
Dass Johanniskrautextrakte sogar in der Lage sind, das Wachstum von Tumorzellen zu verlangsamen oder in kranken Zellen einen gezielten Zelltod auszulösen, haben erste wissenschaftliche Studien in der Schweiz und Deutschland ergeben. Doch Axel Brattström warnt vor übersteigerten Hoffnungen: „Der Einsatz von Johanniskraut in der Krebstherapie ist noch im Experimentierstadium.“ Die Erkenntnisse basieren auf Reagenzglasversuchen und es ist noch viel Grundlagenarbeit notwendig, um nachzuweisen, ob die gleichen Effekte auch im menschlichen Organismus auftreten. „Die Forschungsresultate zeigen jedoch, dass pflanzliche Vielstoffgemische Potenziale enthalten, die es lohnt, zu erkunden“, so Brattström.

Interaktionspotenzial
Gerade Krebspatienten, die sich als Nebenerscheinung von Chemotherapien niedergeschlagen fühlen, greifen hin und wieder zum Naturheilmittel Johanniskraut. Jedoch ist bekannt, dass Johanniskraut die Wirksamkeit anderer Medikamente verändern kann: Die Konzentration gewisser Wirkstoffe von Chemotherapeutika oder Herzmitteln sinken im Blut bei gleichzeitiger Einnahme von Johanniskraut stark ab und sind somit weniger wirksam. Verantwortlich für diese Wirkung ist hauptsächlich das Hyperforin. „Der Johanniskrautextrakt von Zeller ist zwar arm an Hyperforin“, so Brattström. „Wer andere Medikamente verordnet bekommt, muss aber dennoch mit dem Arzt absprechen, wenn er Johanniskrautpräparate ein-nimmt.“

Dieser Artikel entstand im Auftrag der Zeller AG.

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