Nanotechnologie revolutioniert die Medizin
Contexte: Service de Presse, X1
Auteur: Irene Bättig
Download:   Image1 format JPG (932.76 KB)
nanotechnologie.rtf
 
Version imprimée
Dieser Artikel ist älter als ein Jahr (2003-05-12). Die Informationen könnten veraltet sein. Bitte überprüfen Sie deren Aktualität.
Binnig

Image1: Gerd Binnig mit einem Rastertunnelmikroskop, das er 1981 zusammen mit Heinrich Rohrer erfunden hat. (Ch-Forschung: Reto Schlatter)

Wissenschaft der Zukunft
Nanotechnologie revolutioniert die Medizin
 
(ch-fo) Die Nanotechnologie wird als Wissenschaft des neuen Jahrhunderts gefeiert. Das gezielte Verändern und Bauen kleinster Strukturen – auf der Ebene von Atomen und Molekülen – eröffnet völlig neue Möglichkeiten. Vor allem in der Medizin, aber auch in der Computertechnik oder den Materialwissenschaften erwartet man grosse Fortschritte.
Der Begriff «Nano» kommt aus dem Griechischen und heisst «Zwerg». In der Sprache der Wissenschaft bedeutet «Nano» ein Milliardstel. Ein Nanometer ist also ein Milliardstel Meter oder ein Hunderttausendstel des Durchmessers eines Haares – Dimensionen von Atomen und Molekülen. Die Nanowissenschaft untersucht diese kleinsten Strukturen und versucht, deren Gesetzmässigkeiten zu verstehen. Denn Teilchen im Nanometerbereich haben oft ganz andere chemische, physikalische und biologische Eigenschaften als grössere Verbände der gleichen Zusammensetzung. Dieses Wissen will die Nanotechnologie nutzen, um neue Diagnose- und Heilmethoden, kleinere und schnellere Computer und Materialien mit ganz neuen Eigenschaften herzustellen – indem Atome und Moleküle nach Wunsch verschoben, gezielt zusammengebaut oder mit feinsten Detektoren nachgewiesen werden. «Nanotechnologie ist wie Legosteine zusammenbauen, nur sind die Bauteile viel kleiner, eben nur im Bereich von einem Millionstel Millimeter», erklärt Hans-Joachim Güntherodt, Leiter des Nationalen Forschungsschwerpunktes Nanowissenschaften. Für eine Massenproduktion ist man «von Hand» aber viel zu langsam. Deshalb wird erforscht, wie man Atome und Moleküle dazu bringt, sich in einer gewünschten Struktur automatisch selber zu anzuordnen.

Science-Fiction in der Medizin
Ist von Nanotechnologie in der Medizin die Rede, schwirren oft Visionen von kleinen U-Booten oder Minirobotern herum. Beladen mit Medikamenten und Miniskalpell, schwirren sie durch unseren Körper und zerstören gezielt Viren und Bakterien, entfernen Tumore oder Ablagerungen in den Blutgefässen und ersetzen krankes Gewebe. Forscher haben zwar bereits erste Erfolge mit kleinsten Propellerchen gemeldet, die dereinst solche Nanomaschinen antreiben könnten, viele Fragen sind aber noch offen. Was passiert beispielsweise im Körper mit all den U-Booten, wenn sie ihre Dienste geleistet haben oder wenn sie nun doch die falschen Zellen angreifen? Noch Jahre intensiver Forschung sind nötig, bis diese winzigen Alleskönner dereinst in unseren Körper entlassen werden können – vielleicht wird es sie aber auch niemals geben.

Mit Nanocontainern bis zur Zelle
Schon näher an der klinischen Anwendung ist man mit hochempfindlichen Diagnoseinstrumenten. An der Universität Basel entwickeln Forscher ein Miniatur-Rastersondenmikroskop, das an die Spitze eines Endoskopes passt und so in Gelenke oder Blutgefässe eingeführt werden kann. Damit sollen Krankheiten wie Arthrose oder Ablagerungen in den Herzkranzgefässen frühzeitig erkannt und besser therapiert werden können. Ueli Aebi, Leiter des Teilprojektes Medizin im Nationalen Forschungsschwerpunkt Nanowissenschaften, ist optimistisch: «In ein bis zwei Jahren sollten wir einen ersten Prototypen in der Klinik ausprobieren können.» In einem anderen Projekt entwickeln Basler Forscher kleinste Nanocontainer, die Medikamente gezielt zu den kranken Zellen bringen sollen. Ausgestattet mit einem «Pfadfinder-Molekül», das zum Beispiel Krebszellen erkennt, docken die Container an die defekte Zelle an und werden dann ins Zellinnere aufgenommen. Erst dort wird das Medikament freigesetzt. «Die Nebenwirkungen können so minimiert werden», erlärt Ueli Aebi die Vorteile dieser Therapie. «Vor kurzem ist es uns gelungen, solche Container mit einem Durchmesser von wenigen Nanometern aus Eiweissstücken herzustellen.»

Wie alles begann
Die Eroberung der atomaren Welt nahm vor 20 Jahren ihren Anfang, als Heinrich Rohrer und Gerd Binnig am IBM-Forschungslabor in Rüschlikon das Rastertunnelmikroskop erfanden. Mit diesem Instrument wurden erstmals Moleküle ja sogar Atome in ihrer natürlichen Umgebung sichtbar – der Grundstein für die Nanowissenschaften war gelegt. Das ursprüngliche Ziel der Forschung von Binnig und Rohrer war, Material­oberflächen auf ihre kleinsten Strukturen zu untersuchen und damit Problemen auf die Spur zu kommen, die bei den immer kleiner werdenden Computerchips auftraten. Die Erfindung des Rastertunnelmikroskopes – dessen war sich Gerd Binnig schon im ersten Moment bewusst – sollte aber auch Teile der Wissenschaft revolutionieren. 1986 wurden Gerd Binnig und Heinrich Rohrer für ihre Erfindung mit dem Physik-Nobelpreis ausgezeichnet. Im selben Jahr entwickelte Gerd Binnig das Rasterkraftmikroskop, mit dem sich auch biologische Strukturen in ihrer wässrigen Umgebung abbilden lassen – das Rastertunnelmikroskop macht nur leitende Materialien sichtbar. 1989 gelang es amerikanischen Forschern, Atome gezielt zu entfernen, zu verschieben oder neu zu platzieren – ein weiterer wichtiger Schritt in der Nanotechnologie.

 Ce Service de presse
Nanotechnologie revolutioniert die Medizin
Wissenschaft der Zukunft: Nanotechnologie revolutioniert die Medizin und andere Wissenschaftszweige.
 
 Forschungsnews
 
Was macht die Kröte zu einem erfolgreichen "Global Player"?
Warum sind manche Tiergruppen weltweit verbreitet, während andere nur räumlich begrenzt vorkommen?...
Students challenge Nobel Prize winners
What will be the consequences of environmental changes for politics, the economy and culture in deve...
Studierende fordern Nobelpreisträger heraus
Welche Folgen haben die Umweltveränderungen für Politik, Wirtschaft und Kultur in Entwicklungs- un...
Kinder-Uni Basel: Vom täglich Brot, der Sprachenvielfalt und geheimnisvollen Zahlen
Woher kommt unser täglich Brot? Warum gibt es so viele verschiedene Sprachen? Und wie lassen sich G...
Prostituierte leiden überdurchschnittlich an Angststörungen und Depressionen
Psychische Störungen sind bei Prostituierten viel häufiger als bei anderen Frauen. Wie eine Studie...
Gemeinschaft bildet
Schreibwettbewerb für IBH-Studierende zur Wissenschaft der Zukunft
Das 550-Jahr-Jubiläum der Universität Basel ist im Internet gestartet
Die Universität Basel feiert in diesem Jahr ihren 550. Geburtstag. Der Startschuss zu den Festaktiv...
10 Jahre HTW Chur
Am 3. Februar 2010 wird die Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) Chur 10 Jahre alt. Sie ents...
Bauplan von Ur-Landwirbeltieren rekonstruiert
Die ersten Landwirbeltiere besassen sechs Hals- und zwanzig Brustwirbel. Dies fand eine internationa...
CO2-Anstieg und Klimaerwärmung verstärken sich gegenseitig
Der vom Menschen verursachte Klimawandel bewirkt eine zusätzliche Freisetzung des Treibhausgases CO...
Sonderbriefmarke zum 550-Jahr-Jubiläum der Universität Basel
Zum 550-Jahr-Jubiläum der ältesten Universität der Schweiz gibt die Schweizerische Post eine Sond...
Neuer Arzneistoff gegen Multiple Sklerose zeigt Wirkung
Forschende des Universitätsspitals und der Universität Basel berichten von erfolgreichen klinische...
Leben mit Waldbrand - Gefahren und Chancen
In Zukunft dürften die Sommer in der Schweiz aufgrund des Klimawandels wärmer und trockener als bi...
Schulen lernen von Schulen
Auftakt zur IBH-Veranstaltungsreihe "MenschenWissenschaftZukunft" an der Universität Konstanz
Der Glanz des Wakker-Preises an Fläsch fällt auch auf die HTW Chur
Die Gemeinde Fläsch hat den Wakkerpreis 2010 für ihre Ortsbildentwicklung erhalten. Mit ein Grund...
Randständige wecken Betroffenheit, stossen aber auch auf Gleichgültigkeit
Eine sozialwissenschaftliche Untersuchung zum Alkoholkonsum im öffentlichen Raum Alkoholabhängige ...
Neues aus der Smogkammer: Mechanismen der Partikelbildung in der Atmosphäre entschlüsselt
Die Nukleation oder Neubildung von Partikeln in der Atmosphäre war bisher ein grosses Rätsel. Die ...
Den Lebensnerv des Tumors treffen
Schweizerisch-Finnisches Forschungsteam klärt Struktur einer wichtigen Ansatzstelle für Krebsmedik...
Prototyp für neues Wohnkonzept: Raumzelle "Self" debutiert an der Swissbau
Am 12. Januar 2010 kommt es an der Swissbau in Basel zu einer Premiere: Vorgestellt wird "Self", ein...
Hoch dotierter EU-Förderbeitrag für Basler Neurobiologin Silvia Arber
Die Neurobiologin Prof. Silvia Arber vom Biozentrum der Universität Basel und vom Friedrich Miesche...
Reger Andrang am Infotag der Universität Basel
Gegen 4000 Maturandinnen und Maturanden aus der ganzen Schweiz und dem nahen Ausland haben sich heut...
Astrophysicists unwind "Cold Dark Matter Catastrophe" conundrum
For nearly twenty years scientists have been trying to resolve the discrepancy in the cold dark matt...
Astrophysiker lösen Rätsel um "kalte-Dunkle-Materie-Katastrophe"
Seit bald zwanzig Jahren versuchen Wissenschaftler den Widerspruch im Modell der kalten Dunklen Mate...
Das neue Basler Start-up-Center "Basel Inkubator" ist bezugsbereit
Mit dem "Basel Inkubator" erhalten Forschende der Universität Basel und der Fachhochschule Nordwest...
24 neue Spin-offs gegründet
Trotz schwieriger Wirtschaftslage haben im letzten Jahr erfreulich viele Forschende der ETH Zürich ...
Der Nationale Latsis-Preis 2009 geht an die Ärztin Mirjam Christ-Crain
Verleihungszeremonie des Nationalen Latsis-Preises Am 14. Januar erhält Mirjam Christ-Crain im Bern...
Letzte Aktualisierung: 09.02.2010 05:44
Powered by Sprachwerk GmbH, Version 2.73