Politische Bildung in der Schweiz: "sehr ernüchternd"
Kontext: Medienservice, Nr. 5, Juni 2000
AutorIn: Kaspar Birkhäuser
InfoPlus:Prof. Fritz Oser und Dr. Roland Reichenbach, Universität Freiburg,
Departement Erziehungswissenschaften, rue Faucigny 2, 1700 Freiburg,
Telefon 026 300 75 60, Fax 026 300 97 11
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Staatsbürgerlicher Unterricht an Schweizer Schulen
Politische Bildung in der Schweiz: "sehr ernüchternd"
 
(ch-fo) Das Pädagogische Institut der Universität Freiburg untersuchte in der zweiten Hälfte der neunziger Jahre in zwei Projekten den staatsbürgerlichen Unterricht bzw. die politische Bildung in der Schweiz. Die Ergebnisse sind bedenklich.
Die International Association for the Evaluation of Educational Achievement (IEA) beschloss 1994, in verschiedenen Ländern untersuchen zu lassen, wie dort die Jugendlichen auf ihre staatsbürgerlichen Rechte und Pflichten und auf ein Mitarbeiten in der Gemeinschaft vorbereitet werden. Das Projekt erhielt den Titel "Civic Education". Unter den teilnehmenden 24 Ländern befand sich auch die Schweiz. Dr. Roland Reichenbach von der Universität Freiburg führte die Untersuchung durch. Der erste Teil seiner Studie liegt jetzt unter dem Titel "Abandoning the Myth of Exceptionality" (frei übersetzt: "Abschied vom Mythos des Sonderfalls") vor. Nach einer Einführung über die Eigenheiten des politischen Systems der Schweiz (halbdirekte Demokratie, Föderalismus) stellt diese fest, dass nicht alle Kantone in ihren Schulen ein Fach "Staatsbürgerkunde" kennen. Die entsprechenden Inhalte werden an einigen Orten im Geschichtsunterricht oder im Rahmen von "Lebenskunde" vermittelt. Bei der Auswahl der Themen, die sie behandeln, geniessen die Lehrkräfte meist grosse Freiheit. Experten kritisieren, dass die Wirklichkeit im staatsbürgerlichen Unterricht oft stark idealisiert werde. Ausserdem würden mehrere Konzepte, die für das Funktionieren eines demokratischen Gemeinwesens Voraussetzung seien, vernachlässigt, so etwa die Beteiligung am politischen Geschehen, die Beachtung von Pluralismus und Toleranz sowie die Verfahren der Konsensfindung. Zu wenig thematisiert werde auch die wachsende Entfremdung zwischen den Menschen der verschiedenen Sprachregionen der Schweiz. - Der zweite Teil dieser Studie, der sich vor allem mit dem internationalen Vergleich befasst, wird voraussichtlich noch in diesem Jahr folgen. Das zweite Projekt ging aus einem Auftrag hervor, den die Schweizerische Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektoren (EDK) im Hinblick auf das Jubiläum "150 Jahre Bundesstaat Schweiz" erteilt hatte. Es sollte der Zustand der politischen Bildung und der staatsbürgerlichen Erziehung in der Schweiz untersucht werden. Bearbeiter waren Prof. Fritz Oser und wiederum Dr. Roland Reichenbach. Im Mai 1997 fand an der Universität Freiburg eine wissenschaftliche Tagung dazu statt, die 1998 in einer ersten Publikation resultierte. Jetzt liegt auch der "Schlussbericht zum Mandat `Politische Bildung in der Schweiz`" vor. Dieser wertet den Zustand der politischen Bildung in der Schweiz als "sehr ernüchternd". Die Autoren sehen - vor dem Hintergrund einer Welt, die zunehmend als durch die einzelnen nicht mehr beeinflussbar erlebt werde - auch wenig Chancen, dass sich daran etwas ändere.

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Politische Bildung in der Schweiz: "sehr ernüchternd"
Zwei Forschungsprojekte der Universität Freiburg haben sich mit dem staatsbürgerlichen Schulunterricht bzw. mit der politischen Bildung in der Schweiz auseinandergesetzt.
 
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